Stiftungen sollten der zunehmenden Erosion journalistischer Qualität in der deutschen Medienlandschaft nicht tatenlos zusehen. Dies fordert der Expertenkreis Qualitätsjournalismus im Bundesverband Deutscher Stiftungen. Als dessen Gründungsmitglied gehört die Comundialis-Stiftung zu den Erst-Unterzeichnern eines entsprechenden Aufrufs an die deutsche Zivilgesellschaft, der im September 2015 veröffentlicht wurde.

„Qualitätsjournalismus“ – bei diesem Stichwort denken die meisten an die redaktionelle Championsleague: DIE ZEIT, FAZ, Spiegel, Süddeutsche Zeitung. Wir von der Comundialis-Stiftung aber denken dabei aber vor allem an die publizistischen Kreis- und Regionalliga. Denn wir sind davon überzeugt: Jede Form von politischem Engagement und gesellschaftlicher Teilhabe hat ihren Ursprung im Lokalen und Regionalen. Hier ist journalistische Qualität ganz besonders wichtig – und ganz besonders gefährdet.

Oft arrogant belächelt – gesellschaftpolitisch jedoch ungemein wertvoll
Manche mögen arrogant über diesen „Misthaufen-Journalismus“ lächeln. Wir aber wissen: Berichterstattung über das Geschehen vor Ort – das ist tägliches Schwarzbrot und erfordert meist mehr persönliches Rückgrat als das Verfassen hochgeistiger Feuilletons. Und für die Lebenswirklichkeit der allermeisten Menschen hierzulande ist der kommunale Haushaltsplan deutlich wichtiger als die meisten nichtssagenden Pressekonferenzen unserer Spitzenpolitiker.

Natürlich brauchen wir gute Korrespondenten, die auch wirklich nachhaken. Aber fast noch mehr braucht unsere Gesellschaft mutige Lokaljournalisten, die ganz im Sinne von Rudolf Augstein tatsächlich noch „schreiben, was ist“ – egal, ob ihr Zahnarzt als Mitglied im Stadtrat neulich so gar nicht happy war mit diesem kritischen Kommentar.

Statt ausgebildeter Redakteure immer mehr Freie – für immer weniger Geld
Umso gefährlicher für unser gesellschaftliches Gemeinwohl, wenn in immer mehr Lokalredaktionen die Personaldecke immer dünner wird. Der Wandel vollzieht sich von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Fest angestellte, unabhängig agierende Redakteure mit zugegeben durchaus üppigen Tarifgehältern werden immer öfter durch freie Mitarbeiter ersetzt, die als Lohnschreiber nur noch für Hunger-Honorar bekommen.

  • Wie aber soll eine kritisch-anspruchsvolle Lokalberichterstattung funktionieren, wenn es zur ökonomischen Mischkalkulation von Verlagen und Journalisten gehört, dass bei der Wahrnehmung eines Außentermins Gott sei Dank ja noch die Einladung zur Bratwurst als Extra-Bonus gehört?
  • Und wie soll dieses speziell im Lokalen und Regionalen wachsende Journalisten-Prekariat fundiert recherchieren, wenn es am Schluss für den erkämpften Dreispalter – im besten Fall – 50 oder 60 Euro (inkl. Foto-Honorar) gibt?
  • Noch schlimmer: Wie soll diese neue Generation von Lokaljurnalisten überhaupt noch lernen, was Qualitätsjournalismus überhaupt ist, wenn sich in den ausgedünnten Redaktionen niemand mehr Zeit für sie nimmt und die klassischen Fortbildungsseminare unerreichbarer Luxus sind – ausgerechnet zumindest für jene, die sie am nötigsten bräuchten?

Die Comundialis-Stiftung hat keine Antworten auf diese Fragen. Aber wir laden Sie gerne dazu ein, gemeinsam an diesen dicken Brettern zu bohren.

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